Gespielt: Frostpunk
- Matt
Frostpunk steht bei mir mit knapp 23 Stunden in der Statistik, was für ein Aufbauspiel wenig ist. Der Grund ist nicht, dass es schlecht wäre. Es ist anstrengend, und zwar mit Absicht.
Aufbau ohne Entspannung
Die Prämisse: ewiger Winter, eine Handvoll Überlebender, ein Kohlegenerator in der Mitte, um den herum die Stadt wächst. Man baut Unterkünfte, Gewächshäuser, Kohleminen, und man tut das gegen eine Temperatur, die jeden Tag weiter fällt.
Wer Anno oder Manor Lords kennt, erwartet an dieser Stelle die Phase, in der die Wirtschaft läuft und man in Ruhe optimiert. Die kommt nicht. Sobald ein System funktioniert, kippt das nächste.
Die Gesetze
Der eigentliche Kern sind die Entscheidungen. Man verabschiedet Gesetze, und praktisch jedes davon ist unangenehm. Kinderarbeit, um genug Arbeitskräfte zu haben. Sägemehl ins Essen, um länger zu reichen. Massengräber statt einzelner Bestattungen, weil Zeit fehlt.
Das Spiel wertet das nicht. Es zeigt nur die Folgen: Die Leute arbeiten länger und werden unzufriedener, oder sie sind zufrieden und erfrieren. Was mir dabei am längsten nachgegangen ist, ist nicht die einzelne Entscheidung, sondern wie schnell man sich daran gewöhnt, sie zu treffen.
Wo es hakt
Spielerisch ist es enger, als es aussieht. Bei den meisten Szenarien gibt es einen ungefähr richtigen Weg, und wer ihn verfehlt, merkt das erst zwei Stunden später, wenn die Vorräte nicht reichen. Das führt zu Neustarts, und beim dritten Anlauf ist von der moralischen Wucht wenig übrig, weil man die Ereignisse kennt.
Deshalb sind es bei mir 23 Stunden geblieben und nicht 50. Ich habe die Hauptkampagne durch, zwei weitere Szenarien angefangen und dann gemerkt, dass ich das Spiel bewundere, aber nicht mehr starten will.
Das ist als Kompliment gemeint. Es gibt wenige Spiele, bei denen ich das so sagen würde.